Männerbegegnung in der Uckermark

Sechs Männer aus der Partnergemeinde Lützelsachsen nahmen an der diesjährigen Männerfreizeit im Pfarrsprengel Schönfeld/Uckermark teil. Die kurzweilige Anfahrt mit der DB endete „punktgenau“ gegen 13 Uhr, so dass wir das vorgesehene Programm für den Anreisetag, Freitag 28.10., recht ausgeruht absolvieren konnten: Quartierbezug am Nachmittag, Abendandacht in der Malchower Kirche und Begrüßungsabend mit reichhaltigem Buffet im Speicher im Labyrinth-Park.
 
Am Samstag, 29.10.2016, startete das umfangreiche Programm mit dem Besuch der Agrargenossen-schaft „Uckermark Agrar eG“ in Göritz, geführt in der Rechtsform einer GmbH mit verantwortlichen Geschäftsführern (entstanden aus einer früheren LPG). Das Programm setzte sich fort mit dem Aufenthalt in der Bauernkäserei Wolters „Uckerkaas“ in Bandelow (das Unternehmen firmiert als „Wolters GmbH“). Der niederländische Unternehmer, Herr Wolters, hatte einen bestehenden Milchviehbetrieb übernommen und auf dem Gelände eine Käserei gegründet. Damit hat er nicht nur Arbeitsplätze erhalten, sondern neue Arbeitsplätze geschaffen. Am Nachmittag ging es zum Fuhrunternehmen Plöger in Malchow. Dieses Unternehmen in der Rechtsform GmbH wurde durch den erfahrenen Seniorchef Bernd Plöger zusammen mit seiner Ehefrau gegründet. Die beiden erwachsenen Söhne sind mittlerweile bereits in das Unternehmen integriert. Bei den Führungen durch die Betriebe mit ausführlichen Informationen zu Aufbau, Inhalten, Abläufen, Unternehmensphilosophie und Strategien fiel uns besonders positiv auf, dass alle verantwortlichen Geschäftsführer und Inhaber sowie deren Mitarbeiter viel Freude am Geleisteten haben und auch einen „gesunden“ Stolz auf die bisherigen Ergebnisse zeigen. Der Abend dieses Tages wurde bei den Gast-/Quartiergebern verbracht.
 
Sonntag, 30.10.2016: Nach der Morgenandacht in der Göritzer Kirche waren wir Männer, die sechs aus Lützelsachsen und die Gastgeber, gefordert: In einer ca. einstündigen Bibelarbeit diskutierte man über „Erfahrungen über Gottes Trost und Hilfe“, ausgehend von der Jahreslosung 2016: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes. 66, 13). Überraschend war der zeitgeschichtliche Zusammenhang zu diesem Zuspruch, zu finden bei Jes. 66, 5-24, wo Gott durch den Propheten dem unter Babylons Knute geknechteten Volke Israel die Rückkehr ins zerstörte Jerusalem verheißt, dem Volke Hilfe verspricht, doch den Unterdrückern Rache schwört. Mit dieser spannenden Einführung verstand es Pfr. Thomas Dietz, die Teilnehmer anzusprechen und über konkrete Fragenstellungen in das eigentliche Thema einzubinden, so dass sich eine lebhafte Diskussion entspann, auch mit sehr persönlichen Beiträgen. Am späteren Nachmittag, also am Vorabend zum Reformationsfest, durften wir in der Einrichtung „Betreutes Wohnen“ (Umbau des Gutshauses Ludwigsburg) an einem festlichen Lied- und Textvortrag, der der „Wittenbergisch Nachtigall“ gewidmet war, teilhaben. Mehr als fünfzig Gäste wurden sehr angenehm eingenommen von dem Auftritt eines eingespielten aber dennoch sehr natürlich wirkenden Künstlerpaares: Ute Beckert (Sopran) und Maxim Shagaev (auf einem Knopf-Akkordeon, russisch: Bajan). Das eher volkstümliche Instrument kam aus Verlegenheit zum Einsatz, denn der Pianist war leider wegen Krankheit kurzfristig ausgefallen. Doch dann passte zusammen, was gefühlsmäßig wohl eher nicht zusammengehört: Der Akkordeonspieler, der eingangs die ganze Bandbreite des Ausdrucks seines Instruments vorstellte, spielte im Duo zurückhaltend, sehr einfühlsam und angepasst, auch räumlich hinter seine Partnerin zurücktretend. Mit ihren schauspielerischen und rezitatorischen Fähigkeiten, gepaart mit einer schönen klaren Sopranstimme, verstand sie es, Luthers Botschaft, Denkweise und manchmal derben Witz dem Zuhörer lebhaft näherzubringen. Im Wechsel von erläuterndem Wort und Gesangsvortrag ausgewählter „Luther“-Lieder trat immer wieder ein Hauptanliegen Luthers hervor, nämlich den Gemeindegesang in verständlicher, also deutscher Sprache im Gottesdienst zu verankern, denn die „Musica“ sei eine „hervorragende Gabe Gottes“ und solle dem Menschen nicht vorenthalten werden. Nach der Vorstellung der rhythmisierten Ur-Weise von „Ein feste Burg…“ durften die Zuhörer in die heute allgemein gesungene, behäbigere Melodie mit einstimmen. Der programmgemäße Vortrag endete mit „Die beste Zeit im Jahr ist mein…“(?). Auf den brausenden Beifall des begeisterten Publikums gewährte das Duo gerne noch eine Reihe Zugaben. Die waren wieder eine Überraschung: Es folgten keine Luther-Lieder mehr, sondern klassische Lieder aus Filmmusik und Akkordeon-Soli aus ihrem Repertoire. So verabschiedete sich das sympathische Paar mit „Eine kleine Sehnsucht…“ und „Ein Frühling hat nur einen Mai…“ sowie orchestralen Opern- und russischen Weisen. Wer meint, das passte nicht? Doch irgendwie passte es. Das lag an den beiden Künstlern: Sie brachten es gekonnt und authentisch rüber. Auch Luther hätte daran sicher Gefallen gefunden.
 
Montag, 31.10.2016: Unsere Männerfreizeit in der Uckermark wurde ab 10:00 Uhr mit einem Festgottesdienst zum Reformationstag mit Abendmahl (Dieses Jahr gleichzeitig der erste Tag des 500-jährigen Reformations-Jubiläumsjahres) in der Klockower Kirche vorläufig abgeschlossen. Pfr. Thomas Dietz sprach in seiner Predigt über die (innere und äußere) Freiheit des Christenmenschen, ein zentraler Punkt der Reformation, ausgehend von den Worten von Paulus: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ (Gal. 5, 1ff). Der Schönfelder Kirchenchor gestaltete den Gottesdienst mit Kompositionen von Bruckner (Locus iste), von Mozart (Vater, hör unser Flehen), Schubert (Heilig, heilig aus Deutsche Messe) und einem Choral zu Psalm 62 (Meine Seele ist stille zu Gott) aus. Noch in der Kirche dankten wir allen Organisatoren und Quartiergebern herzlich für die - wieder einmal - interessante und schöne Zeit der vergangenen Tage. Vor dem Transfer zur Rückreise nach Lützelsachsen ab Prenzlau durften wir noch die Bewirtung zum Mittag im Gemeindehaus von Klockow genießen. Auf dem Bahnsteig in Prenzlau Richtung Berlin galt es, Abschied zu nehmen von unseren lieben Schönfeldern. Wir hatten wiederum das Glück der sehr pünktlichen Zugfolge bis zum Heimatort, Ankunft 23:12 Uhr.
 
Franz-Joachim Ridderskamp