Vom 2. Weltkrieg bis zum 200-jährigen Jubiläum

 
Wie bereits im 1. Weltkrieg, so mussten auch im 2. die Kirchenglocken abgeliefert werden. Es war das Verdienst des damaligen Bürgermeisters Friedrich Mildenberger und des Zimmermanns Valentin Jöst, dass wenigstens die 1921 gespendete fis-Glocke im Kirchturm hängen bleiben konnte. Sie weigerten sich tapfer und mit Erfolg, die Stiftungsglocke herauszugeben.
Die ersten Jahre nach dem Krieg waren geprägt von der Suche nach dem Notwendigsten: die politische Gemeinde wurde um Holz für das Beheizen der Kirche im Winter gebeten oder z.B. um die Zuteilung von sieben Glühbirnen. Die Firma Freudenberg wurde angeschrieben, ob sie ein Schaffell für den Blasebalg der Orgel übrig hat. Auf dem Heidelberger Tauschring wurde nach einem Motor für das Orgelgebläse gesucht. Doch bereits 1949 wurde nach einer Sammlung in der Gemeinde - "nicht ein einziger Neubürger (Flüchtling) hat sich von den Gebenden ausgeschlossen!" - und nach einem Bazar der Wunsch nach neuen Glocken geäußert. Da die frühere Intervallweite der drei Glocken zu groß war, so dass z.B. der Klang der kleinen Glocke als schrill und zu hoch empfunden wurde, sollte der Tonabstand zwischen den einzelnen Glocken verkleinert werden. Um den Glockenstuhl nicht umbauen zu müssen wurde ein kleines Vierer-Geläute angestrebt. Die Firma Bachert in Bad Friedrichshall-Kochendorf goß daraufhin drei neue Glocken:
Die Morgenglocke mit dem Ton cis und der Inschrift aus Luk. 21,36
- "So seid nun allezeit wach und betet",
die Mittagsglocke mit dem Ton h und der Inschrift aus Ps. 105,1
- "Danket dem Herrn und predigt seinen Namen" (sie wurde von den Kirchenältesten gestiftet) und
die Abendglocke mit dem Ton a und der Inschrift aus Joh. 14,27
- "Meinen Frieden gebe ich euch".
(Die vorhandene fis-Glocke trägt die Inschrift
-"O Land, Land höre des Herrn Wort")
Da beim Glockenguss durch die Ungeschicklichkeit eines Arbeiters eine Glocke zerbrach und neu gegossen werden musste, konnte die Auslieferung nicht mehr vor Weihnachten 1949 erfolgen. Am 22. Januar 1950 wurden sie mit Umzug feierlich eingeholt. Beim schwierigen und gefahrvollen Einbringen der Glocken in den Glockenstuhl waren alle erstaunt, was "eine Gemeinschaftsarbeit von freiwilligen Helfern und Idealisten leisten kann". Die anschließende Prüfung durch den Fachmann bescheinigte für die fis-a-h-cis-Lösung eine gute, geschlossene Wirkung, die liturgisch sehr reich ist und sowohl dem Landschaftsbild als auch der Größe der Gemeinde und ihrer Bedeutung angemessen ist. Der Prüfer fand die liebevolle Arbeit der Stuhl-Erweiterung bemerkenswert, die von ortsansässigen Meistern ausgeführt worden war. Und Pfarrer Kohler schrieb: "Man muss die Glocken gehört haben, um die Leistung der Firma Bachert gebührend beurteilen zu können".
Von den eingegangenen Spenden blieb sogar noch Geld für die Kirchendachrenovierung und für die elektrische Läutemaschine übrig. Letztere wurde ebenfalls von der Firma Bachert bezogen. Allerdings war man damit nicht so zufrieden. Bis 1958 hören wir von Nachbesserungen, bis hin zur Bitte um Ausbau. 1957 erhielt man dann zusätzlich eine VOCO-Läutemaschine für die Glocken.
1951 wurde ein Schacht in den Kirchenboden gegraben und dort eine Warmluftheizung Cronos 3 von der Firma Esch aus Mannheim eingebaut. Leider waren Wände und Boden des Schachtes nicht mit wasserdichtem Beton ausgeführt, so dass ständig Grundwasser eindrang. Anlässlich des Turmbaues 1908 war zwar den älteren Leuten bekannt, dass der Grund ab ca. 1,80 m Tiefe Grundwasser führte, doch wurde dies nicht genügend beachtet. Letztlich musste eine Entwässerungspumpe das in den Heizungsschacht immer wieder eindringende Grundwasser ständig abpumpen. Die erste Renovierung nach dem Krieg wurde mit einem Festgottesdienst am 11. Oktober 1953 feierlich begangen.
1956 wurde die Warmluftheizung aus dem Schacht entfernt, das Loch zugeschüttet und durch eine Elektroheizung unter den Fußrasten der Bänke ersetzt. Nach vielen vergeblichen Vermittlungsversuchen konnte der noch gut intakte Cronos 3-Warmluftofen schließlich in der Gemeinde Besenfeld bei Freudenstadt eine neue Bleibe finden. 1956 wurden die Dachbalken einer Hausbocksanierung unterzogen.
1958 baute man das Gemeindehaus mit dem Kindergarten, dem Konfirmandensaal, den Schwesternwohnungen, der Krankenstation und dem Jugendraum.
In den Jahren 1963 und 1964 wurde der aus dem Jahre 1912 stammende Außenputz der Kirche erneuert und das Kirchendach ausgebessert, ebenso der Kirchgarten angelegt und die Kanalisation angeschlossen.
Nachdem bereits 1951 der Wunsch nach einer Orgelrenovierung geäußert worden war, infolge Geldmangels aber damals zurückgestellt wurde, beschloss man 1970 im Kirchengemeinderat, eine neue Orgel anzuschaffen. Die Kosten, um die alte "Krachorgel" so zu verbessern, dass "eine feine und gute Orgel" daraus würde, stand in keinem Verhältnis zu einer Neuanschaffung. 1972 wurde die 3. Orgel von der Firma Steinmeyer aus Oettingen in die Kirche eingebaut. Inzwischen hatte man auch die Seitenempore entfernt, um mehr Licht in die Kirche zu bringen. Wie es hieß, zog der Zimmermann mit seinem Sohn an einem Seil, das an der Seitenempore festgemacht war - fast spontan fiel diese zusammen und in die Kirche hinein. Sie war nur 10 bis 15 cm stumpf in die Wand gestoßen und zum Teil schon abgefault. Da nun die nördliche Empore entfernt war, vergrößerte man die Empore auf der Straßenseite so weit, dass die Zahl der Sitzplätze erhalten werden konnte. Der Weinheimer Holzschnitzer Emil Rensland fertigte verschiedene Stützen und Balken mit "ornamentaler Schnitzerei in folkloristischer Art" an, um die vergrößerte Empore zu unterstützen und zu verschönern. Eine neue Beleuchtung, ein neuer Fußboden und eine neue Bestuhlung ergaben zusammen mit einem neuen Innenanstrich wieder der Kirche einen würdigen Rahmen, so dass zusammen mit der Orgel am 12. März 1972 eine Einweihung stattfinden konnte. Ebenso konnte am 23. September 1973 das 200-jährige Bestehen der Kirche in Lützelsachsen feierlich begangen werden.
Hanshelmut Käppel